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Aktualisiert: 20. Dez. 2024


Alte Tomatensorten aus der Erhaltungszucht

Es war ein spannendes Jahr und so langsam neigt es sich dem Ende zu, aus meinem Projekt „Rettung alter Gemüse und Tomatensorten“ ist ein voller Erfolg geworden. Ich habe es geschafft alle Sorten die mir vom verstorbenen Saatgutretter Wolfgang Kreimer anvertraut wurden zu erhalten bzw. das Saatgut erfolgreich zu vermehren. Insgesamt handelte es sich um 14 Sorten die ich von ihm erhalten konnte, und jede einzelnen hat ihre Besonderheiten. Während der Haupterntezeit im Sommer habe ich jede dieser alten Tomatensorten fotografisch sowie schriftlich dokumentiert, es war ein wirklich sehr lehrreiches Projekt. Die Unterschiede der jeweiligen Sorten haben mich sehr beeindruckt. Geschmacklich waren nicht alle dieser Tomatensorten mein Ding, aber einige waren ausgesprochen gut und einige Sorte haben mich voll vom Hocker gehauen, weil sie extrem lecker sind. Dazu muss ich auch sagen das ich in der Vergangenheit sehr verwöhnt wurde durch die exzellenten Sorten die mein Großvater über 50 Jahre zusammengetragen hat, er hat so selektioniert das nach vielen Jahrzehnten, und hunderten Sorten, am ende nur 10-15 übrig geblieben sind die besonders gut schmecken.


Dieses Projekt hat mir jedenfalls gezeigt wie wichtig es ist, dass wir unsere alten Gemüsesorten und Biodiversität erhalten, wie wichtig es ist samenfestes Saatgut als Bestandteil der Landwirtschaft zu schützen, damit es nicht von F1 Hybriden verdrängt wird. Es ist wie ein Kampf zwischen David und Goliath, denn wenn wir diese alten Sorten verloren haben, werden die Großkonzerne darüber bestimmen was auf unserem Teller landet, und genau das darf ich nicht zulassen! Die Tomaten die uns die Industrie liefert sind geschmacklos und besitzen nicht halb so viele Nährstoffe wie alte Tomatensorten. Was bringt es uns eine tolle schön geformte Tomate zu essen die kein Geschmack hat, die keine Nährstoffe besitzt, aber prall gefüllt mit Pestiziden und chemischen Dünger unsere Gesundheit gefährdet?

Ich will für Gegenwind sorgen, ich will mich noch mehr um den Erhalt alter Sorten kümmern, deswegen habe ich meinen Beruf als Webentwickler an den Nagel gehangen, deswegen habe ich einen landwirtschaftlichen Betrieb zum Erhalt alter Gemüsesorten & Artenvielfalt gegründet. Der Weg ist steinig und Unterstützung für mein Projekt gab es nur von den Menschen die mich kennengelernt haben. Weder Staat, Vereine noch Umweltschutzorganisation haben mir geholfen, im Gegenteil, man hat keine Chance ausgelassen mir weitere Steine in den Weg zu legen! Doch davon lasse ich mich nicht aufhalten, ich habe eine Mission und die werde ich auch erfüllen!

Seit einigen Monaten habe ich mich mit dem Inverkehrbringen von Saatgut beschäftigt, zahlreiche Vorschläge von lieben Menschen aus meinen Sozialen-Netzwerken haben mich dazu inspiriert, wie ich den Erhalt dieser alten Tomatensorten sicherstellen kann. Dafür müssen meine Samen zu euch, je mehr wir sein werden, desto höher ist die Chance das diese alten Tomatensorten niemals aussterben werden! Von den vielen Vorschlägen die ihr mir genannt habt, hat mir einer ganz besonders gut gefallen, der Tomatenkalender! So ist über den Sommer, immer wenn ich etwas Zeit übrig hatte, ein feiner kleiner Kalender im DinA4 Format geworden. In diesem Tomatenkalender stelle ich euch 12 der 14 alten Tomatensorten vor die vom Saatgutretter Wolfgang Kreimer über Jahrzehnte erhalten wurden. Den ersten Testdruck habe ich vor einigen Tagen erhalten und ich bin sehr erfreut über das tolle Ergebnis.


Don Giardino Tomatenkalender 2022
Don Giardino Tomatenkalender 2022

  • 15. Sept. 2020
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 20. Dez. 2024


Don Giardino begutachtet die DG San Pizzuolo Tomate

Bevor mein Großvater und Lehrmeister verstorben ist prophezeite er mir, dass ich eines Tages zu den besten Tomatenzüchtern der Welt gehören würde. Schon früh erkannte er das ich von der Tomate extrem angefixt war, bereits mit 8 Jahren sorgte er dafür das ich lernte wie man Tomaten richtig kultiviert. Als Teenager zeigte er mir wie ich Tomaten kreuzen und wie ich durch Auslese ein optimales Zuchtergebnis erreichen kann. Er hat alles getan, mir seine besten Tricks anvertraut um seine Prophezeiung wahr werden zu lassen, es schmerzt so sehr zu realisieren das er Recht hatte, das alles aber nicht mehr miterleben kann. Ich habe zu viel Zeit damit verbracht Geld zu verdienen und erfolgreich zu sein, anstatt meiner Leidenschaft zu folgen und seinen Wunsch wahr werden zu lassen. Heute bin ich 44 Jahre alt, die Tomate begleitet mich ein Leben lang, mittlerweile habe ich 10 eigene Züchtungen, erhalte etliche Sorten von meinem Großvater und 14 Sorten vom verstorbenen Saatgutretter Wolfgang Kreimer.

Heute war Inspektion bei einer meiner neusten Tomatenzüchtungen die ich euch vorstellen möchte. Diese Sorte nennt sich DG San Pizzuolo (DG steht für Don Giardino). Das Saatgutverkehrsgesetz macht es für mich finanziell unmöglich eine Zulassung für diese Sorte zu beantragen. Die Kosten liegen dafür bei 4000-15000 Euro pro Jahr. Das ist einfach zu viel für so einen kleinen Fisch wie mich. Dabei habe ich mit meiner neusten Zucht einen echten Volltreffer gelandet.


DG San Pizzuolo ganze Rispen an der Pflanze
DG San Pizzuolo ganze Rispen an der Pflanze

Da ich den Sortenschutz vom Bundessortenamt finanziell niemals stemmen werde, verrate ich euch wie diese neue Zucht entstanden ist. Gekreuzt wurde zuerst der Pizzuolo Vesuviano mit der De Berao um Tauglichkeit für den Freilandanbau zu bekommen. Die De Berao ist ein Meisterwerk an Tomate, extrem Robust, extrem Widerstandsfähig und hoch produktiv. Der Pizzuolo Vesuviano ist eine Standortgeschützte Sorte die nur in einem bestimmten Anbaugebiet auch so bezeichnet werden darf. Sie ist geschmacklich mit einer Datteltomate zu vergleichen, sie setzt mehr Zucker an und hat ein feines würzig süßes Aroma zu bieten. Das Ergebnis aus De Berao und Pizzuolo war bereits gut, aber die Früchte waren zu klein, also habe ich die erste Kreuzung 2019 erneut gekreuzt.


Bei der zweiten Kreuzung habe ich meine neue Zucht mit der San Marzano gekreuzt und das Ergebnis ist überwältigend für mich. Nicht nur das meine DG San Pizzuolo ein unverkennbares optisches Erscheinungsbild besitzt, teilweise ist sie quadratisch und sie besitzt die typische Spitze an der Unterseite wie es beim Pizzuolo der Fall ist. Nein, auch geschmacklich ist diese Tomate ein wahres Meisterwerk, sie ist sehr säurearm, bildet eine herrlich süße Fruchtnote aus, und hat das perfekte Tomatenaroma. Diese neue Sorte ist nicht nur extrem ertragreich, fest und lagerfähig, sondern hat auch eine ideale Konsistenz ausgebildet die sich insbesondere für Tomatensoße eignet. Sie schlägt meine klassischen Marktomaten für meine Passata ums doppelte in allen Punkten. Das ist allerdings noch nicht alles, diese Zucht scheint starke Resistenzen gegen Pilzerkrankungen wie die Krautfäule zu besitzen, das dürfte von der De Berao mit eingebracht worden sein.


Der Ertrag erinnert an die Massen die eine San Marzano Tomate abliefert und der feine runde Geschmack übertrifft den des Pizzuolo Vesuviano. Was würde ich dafür geben meinen verstorbenen Großvater diese Tomate präsentieren zu können, was wäre er stolz auf seinen Enkel gewesen…trotz der Freude an meiner erfolgreichen Zucht begleitet mich leider auch die Trauer.


  • DG San Pizzuolo Tomate Seitenansicht
  • DG San Pizzuolo Tomate aufgeschnitten

Update:

Das Saatgut der DG San Pizzuolo ist ab sofort exklusiv auf https://www.saatgutmanufaktur.de/ erhältlich.


Don Giardino & die Anmeldung zur BIO Zertifizierung

Seit mehreren Wochen beschäftige ich mich mit der Saatgutverordnung, dem in Verkehr bringen von Saatgut, dem Zulassungsverfahren und vielen anderen Dingen die damit zusammenhängen, je mehr man erfährt, desto komplizierter wird die Welt. Auslöser für meine Recherchen war die Tatsache das viele meiner Follower auf Twitter oder Insta gerne Saatgut von meinen Tomaten haben möchten. Angefangen hat das ganze Thema mit dem Projekt: Rettung alter Gemüse & Tomatensorten. Die Fortsetzung erfolgte im Artikel: Die destruktiven Folgen des Saatgutverkehrsgesetz, der Artikel wurde innerhalb von 48 Stunden ca. 250.000 mal aufgerufen (Update 15.09. über 500.000 Leser) was mich echt beeindruckt hat. Die Anteilnahme an meinem Problem war bzw. ist gigantisch, lieben dank an dieser Stelle an alle die den Artikel geteilt haben.

Natürlich habe ich auch Lösungen gefunden um das Saatgut an euch weitergeben zu können, ich werde hier auflisten was sich alles anbietet.

Die Grauzone „Zierpflanze“ oder „Sammlerobjekte“

Von der Saatgutverordnung sind Zierpflanzen ausgeschlossen, das ist auch der Grund wieso einige Webseiten die Tomatensamen verkaufen dazuschreiben das es sich nicht um Saatgut sondern um Samen von Zierpflanzen handelt.


Wer auf seiner Webseite Saatgut schreibt macht sich strafbar und das sind einige die es so betreiben. Ungeklärt bleibt auch was passiert, wenn eingetragene Sorten als Zierpflanzen vertrieben werden und irgendwann jemand für eine dieser Sorten eine Zulassung mit Sortenschutz beantragt oder bereits besitzt. Es bleibt also eine Grauzone, mit der ich mich persönlich schlecht anfreunden kann. Je mehr auf dieses Pferd aufspringen desto höher wird das Risiko das irgendwann eine Abmahnwelle diese ganzen Shops vom Tisch räumt. Außerdem produziere ich hochwertiges ökologisches Saatgut und möchte auch das es so genannt wird, um unmissverständlich klar zu machen das meine Qualität den höchsten Standards entspricht. Da das hier sozusagen ein Trick17 ist kann man diese Samen auch nicht als BIO Saatgut bezeichnen. Ein weiteres Problem ist bei dieser „Notlösung“ das ein Gewerbe angemeldet werden muss da eine Gewinnabsicht vorliegt sobald man Samen aus Pflanzen entnimmt um sie zu verkaufen. Auch hier schlampen viele Internetseiten und wirken dadurch wenig Seriös. Auf dieses Niveau möchte ich mich nicht einlassen, es geht auch anders.

Die Zulassung einer Amateursorte beim Bundessortenamt

Eine weitere Option wäre eine Zulassung als Amateursorte, das kann man für alle Gemüsesorten beantragen die nicht in der Liste der handelbaren Sorten der EU aufgeführt ist. Jede Zulassung kostet 30 Euro pro Jahr und legitimiert den Besitzer der Zulassung das Saatgut legal in Verkehr zu bringen. Da auch hier eine Gewinnabsicht besteht, wäre auch in diesem Fall erneut ein Gewerbe notwendig.

Die derzeit einzige sinnvolle und legale Lösung:

Mit der Gründung eines landwirtschaftlichen Betriebs wird man für die Herstellung und den Vertrieb von Standardsaatgut alter Sorten legitimiert. Richtungsweisend dafür war das Kokopelli Urteil von 2012, es erlaubt Landwirten Saatgut von alten Gemüsesorten herzustellen die nicht in der Liste der handelbaren Sorten der EU stehen. Da ich allerdings keinen konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb anmelden möchte, habe ich mich für das BIO Zertifikat entschieden. Die Zertifizierung und Kontrolle des Saatguts wird dann von einem Dienstleister wie der ABCert übernommen. Ich kann meine Samen als BIO Saatgut bezeichnen und ich muss kein Gewerbe gründen um mein Saatgut in Verkehr zu bringen. Als Landwirt darf ich meine Erzeugnisse in Direktvermarktung anbieten. :-)

Der einzige Nachteil ist das damit jährliche Kosten auf mich zukommen werden.

Am 6. September 2019 habe ich beschlossen meinen Job in der IT zu beenden und einen landwirtschaftlichen Betrieb zu gründen, das war noch vor meinem Buch und dem Ableben von Wolfgang Kreimer, sowie dem Projekt zur Rettung alter Gemüse & Tomatensorten. Abgehalten hat mich zuerst mein Buch das später erschienen ist als geplant. Als das Buch dann am 9. März erschien, war die Saison schon in den Startlöchern und die Flächen mussten angelegt werden. Zu guter Letzt funkte mir dann der Corona Virus dazwischen. Der Lockdown hat alles erschwert, die Kontrollstellen haben bis auf weiteres keine Termine mehr vergeben und so habe ich das ganze erstmal ruhen lassen. Doch wie man sieht hat mich das Schicksal wieder auf den alten Weg gebracht, mein Plan wird nach fast einem Jahr trotz vieler Umwege wieder realer als je zuvor. Ich werde ein Landwirt, diesmal nicht nur um erstklassiges Gemüse in Permakultur zu produzieren, und um zu beweisen das ich alles voll ökologisch ohne Pestizide oder mineralischen Dünger anbauen kann, nein, ich werde ein Landwirt um mich in Vollzeit um den Erhalt alter Gemüsesorten zu kümmern und somit aktiv die Verarmung unserer Biodiversität sowie Artenvielfalt bekämpfen zu können. Drückt mir die Daumen :-) heute habe ich meinen Antrag zugeschickt bekommen, jetzt wird es ernst!

P.S. Ich wäre damit der erste BIO zertifizierte landwirtschaftliche Betrieb in Korschenbroich! Hier arbeiten alle konventionell, es wird Zeit für die #Agrarwende, ich möchte damit auch ein Zeichen setzen für mehr ökologischen Mut :-)

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