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Prophylaktische Maßnahmen um Krautfäule an Tomaten zu vermeiden

Aktualisiert: 4. Juli


Krautfäule auf Tomatenlaub - Archivaufnahmen von 2021
Krautfäule auf Tomatenlaub - Archivaufnahmen von 2021

Vor zwei Tagen warnte der Bauernverband vor massiven Ausbrüchen von Krautfäule (Phytophthora infestans ). Die Pilzerkrankung hätte das Potential die Kartoffelernte in Deutschland zu bedrohen. Hier bei mir in NRW wo es einen Mai gegeben hat der 150 mm Niederschlag mit sich gebracht hat erachte ich das Risikopotential wirklich als sehr hoch, zumal auch die Temperaturen derzeit zu kühl sind. Ideal für die Krautfäule sind Temperaturen um die 12-15 Grad für länger als 12 Stunden und eine Niederschlagsmenge von ca. 30 mm. Als erstes startet die Krautfäule-Saison mit den Frühkartoffeln ab Mitte Mai, danach geht’s dann auf die Tomaten ab Juni und dann auf die Spätkartoffeln auf denen die Sporen dann wieder überwintern.


Viele hatten hier in NRW schon Kartoffeln auf dem Acker im Mai, also durchaus denkbar das es wirklich zu ernsten Problemen kommen könnte. Die Krautfäule überwintert in Kartoffelknollen, wächst danach auf dem Kartoffellaub und bildet dann Sporen die vom Wind getragen werden. Das bemerkenswerte an diesem Pilz ist das er in wenigen Tagen mehrmals Sporen produzieren und absondern kann. So schafft es die Krautfäule in kurzer Zeit riesige Felder zu infizieren.


Was allerdings viel wichtiger ist, zumindest für mich, sind meine Tomaten, denn wenn die Bauern Alarm schlagen, ist das auch für Tomatenliebhaber ein ernstzunehmendes Warnsignal.  Neben dem Jordan-Virus gehört die Krautfäule definitiv zu den Endgegnern im ökologischen Gemüseanbau. Ihre Ausbreitung kann unter optimalen Bedingungen binnen 24 Stunden 80% einer Pflanze befallen. Deswegen ist es nun sehr wichtig das alle die Freude an ihren Tomaten haben doppelt und dreifach kontrollieren. Da der Erreger Wasser benötigt um zu keimen sind überdachte Areale oder Gewächshäuser eher selten betroffen. Trotzdem sollte auch hier wachsam kontrolliert werden.



Krautfäule am Stamm einer Tomatenpflanze
Krautfäule am Stamm einer Tomatenpflanze

Krautfäule die an Tomaten im Anfangsstadium entdeckt wird lässt sich noch sehr gut ökologisch behandeln. Kommt es allerdings dazu das der Stamm betroffen ist, so stehen die Chancen nur noch sehr schlecht, denn das Gewebe ist nach dem Befall zerstört, und der Erreger in der gesamten Pflanze. Von daher ist es viel besser prophylaktische Maßnahmen gegen die Krautfäule schon vor dem Problem auf den Weg zu bringen damit sich eure Tomatenpflanzen bestenfalls erst gar nicht infizieren.



Prophylaktische Maßnahmen um Krautfäule zu vermeiden


  • Nur sehr starke und Robuste Jungpflanzen auspflanzen, je stärker und vitaler sie sind desto widerstandsfähiger sind die Tomatenpflanzen gegenüber allen Pilzerkrankungen und auch Schnecken oder Blattläusen.


  • Die natürliche Abwehr der Tomatenpflanzen zu stärken gehört zu den besten Möglichkeiten vorzubeugen.  Hierfür habe ich meine Ackerschachtelhalmbrühe 2.0 entwickelt die aus 5 Zutaten besteht die auch als Fungizide wirken. Die Kieselsäure aus dem Ackerschachtelhalm sorgt zudem dafür das die Zellwände der Tomaten dicker werden und somit Erreger schlechter eindringen können. Auch für saugende Insekten wie Blattläuse oder Wanzen werden solche Tomatenpflanzen unattraktiv. Aufgrund der Rezeptur kann auch gleichzeitig die weiße Fliege ferngehalten werden. Meine Mischung ist ein Allrounder der mir einfach Zeit und Stress ersparen soll. Abo Mitglieder finden das Rezept hier: Ackerschachtelhalmbrühe 2.0 neues Rezept


  • Eine Überdachung ist mit der Beste Schutz gegen Krautfäule an Tomaten, denn ohne nasses Laub kommt der Erreger nicht zum Keimen. Eine Überdachung ist aber kein Garant, denn der nächtliche Tau oder Guttations-Effekte an den Blättern können die Bedingungen schaffen die von der Krautfäule benötigt werden.


  • Regelmäßig ausgeizen und ein penibles Laubmanagment praktizieren bei dem die unteren bodennahen Blätter in periodischen Intervallen entfernt werden. Dabei sollte nie zu viel Laub entnommen werden, da sonst Stress bei den Tomatenpflanzen entstehen kann. Weniger Laub bedeutet auch das die Luft besser zirkulieren kann, was wiederum feuchte Blätter schneller trocken werden lässt.


  • Betreibt ihr Tomatenanbau mit Schnüren sollten diese zuvor abgekocht werden insofern sie bereits im Vorjahr benutzt wurden, austauschen ist allerdings noch klüger. Pflanzstäbe sollten desinfiziert werden. Ich arbeite nur mit Schnüren bei Tomaten und ich achte darauf sie eintriebig bis maximal 3 triebig zu halten je nach Sorte.


  • Stehen die Vorhersagen sehr ungünstig und droht viel Regen, so sollte für Freilandtomaten eine provisorische Überdachung gebaut werden. Bei großen Pflanzen ist das allerdings sehr aufwendig und nicht wirklich sturmfest. Denn neben Regen sollte die Konstruktion auch stärkeren Wind aushalten können.


  • Gießen solltet ihr nur morgens, und auch nur bodennah, natürlich so dass kein Wasser auf das Laub der Tomatenpflanzen kommt. Das gilt für Tunnel, Gewächshaus oder Freiland. Ich verwende zum gießen einen Brausestab aus dem das Wasser sehr weich kommt, so gibt es auch keine Spritzer. Tröpfchenbewässerung ist sogar noch besser, denn mit dem Gießen können Verwirbelungen entstehen die dafür sorgen das Sporen vom Boden auf das Laub gelangen.  


  • Gute Durchlüftung zu fördern beschleunigt das abtrocknen der Tomatenpflanzen und erschwert somit das die Krautfäule erfolgreich keimen kann.


  • Wenn ihr von einem Tomatenareal zum nächsten geht dürft ihr nicht vergessen euch die Hände und etwaiges Werkzeug zu desinfizieren. Ich habe 4 Standorte für Tomaten, damit nichts von A nach B gebracht wird werden in kritischen Phasen Hände sowie Schuhsolen desinfiziert.


  • Betreibt ihr so wie ich Erhaltungszucht müsst ihr eure Schutzbeutel vor dem Start der Saison für eine Nacht in Natron / Essig Emulsion baden, auswaschen und danach sorgfältig trocknen.  Schutzbeutel sollten immer nur an derselben Pflanze verwendet werden. Ein Schutzbeutel für eine German Gold wird nur für diese Pflanze verwendet und nicht für eine weitere. So reduziert man auch dass ungewollte verteilen etwaiger Sporen.


  • Mulchen mit Stroh oder Heu ist auch ein Vorteil, zum einen, weil es die Verdunstung im Boden reduziert und weniger gegossen werden muss, und zum anderen, weil Sporen aus dem Boden so schwerer auf die Pflanzen kommen können. Weniger gießen bedeutet gleichzeitig auch weniger Luftfeuchtigkeit, also in mehreren Punkten begrüßenswert.


  • Eine weitere Alternative den Boden ökologisch sinnvoll zu bedecken ist meine Mischkultur mit Süsskartoffeln. Einen Guide wie ich das mache findet ihr hier im Bereich für Abo Mitglieder: Süßkartoffeln als Bodendecker Mischkultur für Tomaten Der Vorteil ist zudem eine weitere Ernte :-)


  • Zu meinen profilaktischen Routinen gehört auch das werfen von Urgesteinsmehl ab dem 10. Juni. Das bedeutet das ich immer mit viel Schwung eine Hand Urgesteinsmehl unter die Tomatenpflanzen werfe damit eine Staubwolke entsteht deren Staub die unteren Blätter mit einem feinen Staub belegt. Ein weiterer Nutzen dieser Methode liegt darin das man so auch Blütenendfäule an Tomaten komplett verhindern kann, weil in Urgesteinsmehl diverse Mineralien wie Kalzium und Magnesium enthalten sind.


Zu guter Letzt, und man kann es gar nicht oft genug sagen, kontrollieren, und zwar gründlich und jede Pflanze. Das mache ich bei mir morgens und abends ein zweites mal, denn die Krautfäule ist wie bereits erwähnt ein sehr schneller Erreger mit hohem Schadenspotential, wenn er nicht früh erkannt und behandelt wird. Also seid wachsam, ich drücke euch die Daumen das es keinen Befall bei euch geben wird und hoffe das euch meine prophylaktischen Maßnahmen um Krautfäule zu vermeiden helfen können damit ihr eine schöne Tomatenernte einfahren könnt.


Gesunde Tomaten ohne Krautfäule
Gesunde Tomaten ohne Krautfäule





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